Leere-Buehne

Bandmediation: mehr als Harmonie

Wir haben Gitarren
Das Klavier und den Bass
Wir haben das Schlagzeug
Den Gesang und all das
Ist in guten Momenten
Für eine Weile
Mehr als die Summe der einzelnen Teile
Kante, Zwielicht, 2001

Bands: Mehr als die Summe der einzelnen Teile

Teil von etwas Größerem sein … dies ist wohl einer der wesentlichen Gründe, warum Musiker*innen überhaupt in Bands spielen.
Sie wollen den kreativen Austausch mit anderen, sie wollen gemeinsam etwas Außergewöhnliches schaffen. Und sie wollen Spaß haben, ausprobieren, einige wollen auf der Bühne stehen, andere eher im Studio, einige wollen Geld verdienen, andere die perfekte Melodie finden.

Daher: Menschen sind unterschiedlich, wollen mitunter nicht nur dasselbe oder zumindest nicht ihr Leben lang. Wer mit anderen Dinge zusammen macht, kennt das: Es gibt es Konflikte. Das ist kein Wunder — immerhin treffen dort unterschiedliche Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Ideen aufeinander.

Doch Konflikte sind, auch wenn sie einen schlechten Ruf haben, nicht per se problematisch: Durch sie entscheiden wir, in welche Richtung wir uns stilistisch entwickeln wollen, ob das nächste Album wirklich anders als das vorherige wird, ob und wenn ja wie lange wir wo touren wollen …

Werden Konflikte jedoch nicht kompetent bearbeitet, können sie zu Dauerbelastungen führen. Dann wird die Zusammenarbeit zäh, anstrengend, nervtötend. Die Kreativität leidet, denn wer sich nicht mehr sicher fühlt, geht eher auf “Nummer Sicher” und hält die radikaleren und spannenden Ideen zurück. Das gemeinsame Musizieren erhöht den Cortisolspiegel, Touren wird zur Qual.

Eventuell droht jemand — wiederholt — damit, die Band zu verlassen. Oder man stellt fest, dass der Alkoholkonsum kritische Ausmaße annimmt und notwendig für die Stimmung scheint. Oder allein die Vorstellung, gemeinsam wochenlang im Nightliner unterwegs zu sein führt zu somatischen Beschwerden.

Es kann hilfreich sein, sich spätestens jetzt externe Unterstützung zu suchen um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Aus nächster Nähe

Ich habe viele Bands begleitet: als Freundin, als Zuschauerin, als Bandmitglied. Ich habe Entstehungen erlebt, fantastische Seitenprojekte, komplexe Dramen, lange Eiszeiten, plötzliche Austritte und Rauswürfe, komplette Auflösungen, holprige Reorganisationen und geglückte Reunions.

Bands sind Pulverfässer: Sie erfordern ein hohes Maß an Identifikation und (freundschaftlicher) Nähe, am Einbringen der eigenen Persönlichkeit, am Glauben und Hoffen auf nachfolgenden Erfolg.

Gleichzeitig soll auch das Jetzt Spaß machen, weshalb sich die wenigsten Bands (oder erst zu einem späteren Zeitpunkt ihrer Professionalisierung) mit Themen wie Disziplin, Routine und (persönlichem) Verzicht beschäftigen. Gemeinhin denken wir eher an Ekstase, lustvolles Punkrockleben und kreative Höhenflüge.

Das funktioniert auch — allerdings selten dauerhaft.

Was eher passiert, ist ein Durchbrennen (der Sicherungen) oder ein Ausbrennen (des Einzelnen). Unzufriedenheit mit den Anderen, die irgendwie anders ticken als man selbst ist eine häufige Folge. Wer’s gut besprechen und sich auf einen gemeinsamen Weg einigen kann, hat’s gut. Oft jedoch verstetigen sich diese Ärgernisse, werden zu Konflikten, die im Untergrund schmoren.

Resignation macht sich breit — und manchmal knallt’s unverhältnismäßig laut.

Was tun, wenn’s brennt?

Der erste Schritt ist wie so oft die Erkenntnis, dass es so offenbar nicht (gut) weitergeht. Kriegen wir es alleine hin? Oder brauchen wir Unterstützung von außen?

Externe Begleitung — Bandmediation

Als Mediatorin begleite ich Organisationen — und dazu gehören auch Bands — dabei, ihre (unausgesprochenen) Konflikte miteinander zu klären.

Konflikte werden nicht vermieden, sondern konstruktiv angegangen, wodurch Missverständnisse und Frustrationen abgebaut werden können. Dies fördert offene Kommunikation und stärkt das gegenseitige Verständnis.

Wie in der Musik geht es auch hier nicht um Harmonie an sich, sondern um akzeptierte Dissonanzen. Die eigenen Unterschiedlichkeiten anzuerkennen ist notwendig für jede Organisation, wenn sie langfristig arbeitsfähig sein will. Daher geht es in einer Bandmediation bei mir auch darum, wie genau dieser Blick — oder eher: dieses Ohr — geschärft werden kann.

Die vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb der Band kann wachsen, wenn Konflikte nicht unter den Teppich gekehrt, sondern mithilfe professioneller Unterstützung angegangen werden. Die Klärung von Konflikten hilft, langanhaltende Spannungen zu vermeiden und ebnet den Weg für gemeinsame Entscheidungen. Diese Vorgehensweise kann sich positiv auf die Kreativität und den künstlerischen Prozess auswirken.

Schlussendlich trägt eine offene und respektvolle Lösung von Konflikten dazu bei, die Band als Einheit zu festigen und die Zusammenarbeit langfristig zu verbessern und wieder zu mehr kreativer Spielfreude zu finden.

Externe Begleitung — Konflikte mit Dritten

Natürlich kann es auch außerhalb der Band zu schwierigen Situationen kommen, aus denen die Beteiligten nicht gut (verlustarm) aussteigen können. Dazu können Konflikte mit dem langjährigen Bandmanager, der geschätzten Produzentin oder dem Plattenlabel gehören.

Auch hierbei können klärende Gespräche hilfreich sein um zu prüfen, ob und unter welchen Bedingungen eine weitere Kollaboration möglich ist.

Ablauf

Vor der Mediation

Viele Bands haben keine Vorgesetzte oder jemanden, der für sich eine Führungsrolle beanspruchen und von den anderen darin genauso akzeptiert würde. Stattdessen erleben sie sich eher als Demokratie und jede*r solle das gleiche Stimmrecht haben.

Daher unterscheidet sich mitunter der Ablauf vor einer Mediation etwas von hierarchisch geprägten (oder eben zumindest organisierten) Organisationen.

Anstelle eines längeren Vorgesprächs mit z. B. der Teamleiterin spreche ich hier meist mit 1-2 Bandmitgliedern um einen ersten Überblick zu bekommen, meine Arbeitsweise vorzustellen und gemeinsam Überlegungen über eine potentielle Zusammenarbeit anzustellen.

Anschließend tragen sie ihre Eindrücke zurück in die Band um dort gemeinsam eine Entscheidung zu treffen und sich ggf. bereits auf von mir vorgeschlagene Termine zu einigen.

Die eigentliche Mediation

Die eigentliche Bandmediation findet meist an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt (Dauer und Zeiten sind natürlich abhängig von der Zahl der Teilnehmenden, Konflikteskalation und anderen Faktoren). Mitunter können auch mehrere kürzere Treffen sinnvoll sein um eher präventiv zu arbeiten und die Beziehungen zu stärken.

In unserem Termin mit allen notwendigen Beteiligten möchte ich zu Beginn jede einzelne Sichtweise kennenlernen und verstehen, damit ich jede Person gut durch den Prozess begleiten kann (Allparteilichkeit).

Wir schauen dabei erstmal v.a. auf die schwierigen Aspekte der Vergangenheit, klären sie im Jetzt, also in der Gegenwart, um gute Vereinbarungen für die Zukunft zu treffen.

Dabei sind die einzelnen Bandmitglieder oft in einer direkteren und klareren Art als sonst miteinander im Gespräch, wodurch sich oft auch ein nachhaltiger Effekt auf die Kommunikationsstruktur erkennen lässt.

Selbstverständlich behandle ich alle Informationen vertraulich. Ich schaffe einen Raum, in dem Schwieriges etwas leichter besprechbar wird und etwas Verstocktes sich wieder bewegen lässt. Dafür ist es wichtig, dass mir vertraut wird als unparteiisch dem Konflikt und allparteilich den Konfliktparteien gegenüber und verschwiegen nach außen.

Nach der Mediation

Konflikte, die stark eskaliert sind oder schon jahrelang geschmort haben, lösen sich selten in kurzer Zeit in Luft auf — selbst, wenn wir verzeihen wollen und können, rutschen wir mitunter später doch wieder in alte Gedanken- und Verhaltensmuster. Daher ist es sinnvoll, auch nach der Mediation einen regelmäßigen Raum zur Reflexion zu etablieren und sich hierbei mitunter wieder begleiten zu lassen.

Caroline Kikisch Profil

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