Und wie entgrenzt bist Du?

Ich war in einem Podcast zu Gast bei Kurswechsel und habe über meine — nun doch etwas länger zurückliegende — Forschung zu Entgrenzung gesprochen und sie zu meinen aktuellen Beobachtungen in Beziehung gesetzt.

Damals, Ende der 2000er, habe ich eine Magisterarbeit zu der Frage geschrieben, wie Freundschaften in Arbeitsverhältnissen auch zu Entgrenzung, also z.B. der Verwischung von Arbeit und Freizeit, beitragen. Dieses Phänomen habe ich damals am Beispiel von Werbe- und Designagenturen beforscht.

Heute beobachte ich ähnliche Phänomene unter dem Stichwort “New Work” auch in vielen anderen Bereichen — wenn also von den Mitarbeitenden erwartet wird, dass sie ihr ganzes Selbst zur Arbeit bringen um sich mit dem Sinn der Firma zu identifizieren, sich als Teil des Ganzen begreifen und nicht nur eine Rolle oder Funktion innehaben, sondern ein “Familienmitglied” sein dürfen — oder sollen.

Natürlich beinhalten diese Formen “neuer“ Arbeitsorganisation auch Chancen. Natürlich ist es schön, wenn Entscheidungen dort getroffen werden, wo die Expertise sitzt und wenn Menschen tatsächlich Verantwortung übernehmen können. Doch auch dazu braucht es neben Kompetenzen auch Freiraum zum Lernen und Freiraum zum Neinsagen: denn oft genug führt das Versprechen der vermeintlichen Freiheit der Mitgestaltung eher zu individueller Überforderung, Scham und Konflikten als zu langfristigen zufriedenen Mitarbeiterinnen.

Polemisch gefragt:
Habe ich auch die Freiheit mich gegen die Freiheit zu entscheiden und stattdessen meine Arbeit zu machen?

Mein Gespräch mit Alina kannst Du im Podcast-Provider Deiner Wahl hören: einfach nach Kurswechsel suchen.

Dieses Gespräch bezieht sich teilweise auf einen Artikel, den ich 2010 im Schweizer Magazin Respektive veröffentlicht habe — ist allerdings auch ohne ihn nachvollziehbar. Dennoch, für das weitere Studium ist der Text hier hinterlegt.

Wenn Du darüber in Kontakt treten magst, schreibe mir gerne eine Nachricht. Ich freue mich!